«Heute Nacht werde ich von deinem Gesang träumen»
«Warum weisst du meinen Namen noch?»
Ich frag mich, ob sie kommen wird.
E., die sich so sehr an unseren Weihnachtsliedern erfreut hatte.
«Kannst du nicht wiederkommen?», hatte sie gefragt, und wollte meine Hand gar nicht mehr loslassen. Heute könnte ich ihr diesen Wunsch erfüllen. Aber inzwischen sind 8 Monate vergangen. Erinnert sie sich noch an mich?
Hat sie Lust auf ein Konzert?
Ist sie überhaupt noch am Leben?
Plötzlich kommt eine Frau mit dem Rollator den Gang entlang.
Es ist E. Erleichtert grüsse ich sie.
«Miiiiiriam», strahlt sie. Ich sag ihr, wie sehr ich mich freue, sie zu sehen. «Du weisst meinen Namen noch?» - «Na klar, ich erinnere mich an dich.» «Wieso?», fragt sie fröhlich und umarmt mich.
Ein bisschen so wie meine Oma mich früher immer umarmt hatte.
Sie ist extra früh genug da, um sich den besten Platz auszusuchen.
Ganz allein sitzt sie im Publikum, erste Reihe Mitte, und wartet.
«Wie gehts dir, E.?» Ich setz mich zu ihr.
«Ich bin zufrieden. Aber warum weisst du meinen Namen noch?».
Während dem Konzert beobachte ich, wie die Zuschauer Giulia beim Tanzen bewundern.
Eine Dame imitiert ihre Handbewegungen. Mein Herz ist leicht und schwer zugleich.
Später singt die Dame voll klassischer Inbrunst mit mir zu Udo Jürgens. Als ich ihr das Mikrofon hinhalte, ist sie dann aber doch etwas schüchern.
«Heute Nacht werde ich davon träumen», schwärmt E. nach dem Konzert und drückt mich noch mal. «Bis zum nächsten Mal», sag ich. «Wenn ich dann noch lebe».
«Wir sehen uns wieder», drück ich ihre Hand.
Sie lacht: «Abgemacht».